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am 9. März 2006

Im "Strickmann" wird Blut geschwitzt

Im "Café Strickmann" stimmt was nicht. Ein Mann schwitzt Blut. Eine Frau vom Dorf erzählt was vom Bahnhof. Ein ganz langer Kerl stellt sich in Flossen zur Schau. Eine Musikerin singt. Und ein sauertöpfischer Ober streichelt dem ersten Gast übers Haar, gegen Trinkgeld natürlich. Oder er greift zur Posaune.

Das "Strickmann" ist das nämliche, das echte, das an der Wißstraße in der City. Ein Ort der Beschaulichkeit, keiner für Burlesken. Doch burlesk - so geht es zu an diesem Mittwochabend im Kaffeehaus, das eigentlich schon geschlossen hat. Das Vier Leute-Personal einer Theatergruppe drängt sich in die Mitte des Raumes - ein Vorgang, den es auch als "Raumung" bezeichnet.

Es ist das Theater "Futur3" aus Köln, das diesen verrückt-nostalgischen Auftritt neudeutsch als "Citybeats Vol. 2#3" bezeichnet, was trotzdem einen schönen Abend ergibt. Die "Citybeats" gehören zum Festival "Theaterzwang" - einer der bislang seltenen komischen Momente. Hier geht es um die Nähe, die das Festival-Motto "Let me touch you" verspricht, im Stück selbst.

Ständig feilschen Personen um Aufmerksamkeit, Zuneigung und Akzeptanz. Sie tun, was Menschen in Cafés eben immer auch tun: Sie werden gesehen - oder möchten gesehen werden. Das Stück nimmt einen dramatischen Verlauf. Der erste Mann, zu wenig beachtet, holt die Flinte aus dem Koffer. Doch das Ende versöhnt, die Komik bleibt nicht gekippt: Mit etwas Streicheln wird alles wieder gut.


Drei merkwürdige Gäste im Café: Der Mann, der Blut schwitzt,
der lange Kerl mit den Schwimmflossen und die Frau vom Lande (von vorn)
bereichern das Festival "Theaterzwang" um eine komische Variante.

 

Das gilt auch für die Kinderstücke, die bislang im Festival zu sehen waren und von denen zwei die bislang stärksten Eindrücke überhaupt hinterlassen haben. Dabei schöpfen so sowohl "Um Himmelswillen, Ikarus!" vom Theater "Marabu" aus Bonn als auch "Verwandlungen" von "Cantadoras" aus Essen aus der antiken Sagenwelt. Beide spielen in der Halle des Depot an er Immermannstrße: Daedalus und Ikarus sind ganz nah, sind mitten im Publikum; gemeinsam sitzt man im Labyrinth, das Daedalus einst gebaut hat. Hier geht die Post ab. "Cantadoras" dagegen spielt die Ovid-Geschichten mit mehr Abstand, aber weitaus filigraner. Die Aktionen sind kompakt, immer ernst und witzig zugleich. Jede Bewegung setzt Zeichen, da stimmt alles, wirklich alles. Da wird richtig große Schauspielkunst sichtbar. Da wird die Jury nicht lange zaudern.

 

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